Aktivitäten
Besuch Druckkammer DCS1
Besuch des Druckkammer-Centrums in Stuttgart ( DCS1)
Am 8.6.2011 haben wir (Horst, Marco, Michael, Volker, Werner, Anton) gemeinsam mit sechs weiteren Tauchern aus dem Großraum Heilbronn eine Druckkammerfahrt im Zentrum für hyperbare Sauerstofftherapie unternommen.
Vor der Druckkammerfahrt auf 50 m Tiefe wurden wir von Herrn Ralf S., Geschäftsführer des DCS1, sehr umfassend und kompetent über die Anwendungsbereiche der Tauch- und Überdruckmedizin informiert. Wir Taucher assoziieren mit der Druckkammer in der Regel die Behandlung von Tauchunfällen. Das Spektrum der weiteren Anwendungsgebiete der HBO Therapie ist vielseitig und wird unter anderem bei nachstehenden Krankheitsfeldern in der Medizin zur Behandlung von Patienten genutzt.
Tinnitus, Kohlenmonoxidvergiftungen, Verbrennungen, Gasbrandinfektionen, Schwere Quetschverletzungen mit Durchblutungsstörungen, Multiple Sklerose.
Die physikalischen Grundlagen der hyperbaren Sauerstofftherapie bilden die uns Tauchern bekannten Gasgesetze von Boyle-Mariotte, das Gesetz von Dalton sowie das Gesetz von Henry. Das Wirkprinzip der HBO besteht also darin, den Anteil des physikalisch gebunden Sauerstoffs drastisch zu erhöhen, während der chemisch gebundene Anteil (gebunden an den roten Blutfarbstoff) eher unverändert bleibt. In der Folge wird unter Bedingungen der HBO ein deutlich erhöhter Sauerstoff-partialdruck erreicht. Durch diese Erhöhung wird der Sauerstoffdiffusionsradius in den Blutkapillaren erweitert und somit kann in mangelversorgten Geweben die Sauerstoffanreicherung verbessert werden. Nach diesem sehr kurzweiligen und kompetenten Exkurs in die Medizin und Physik als auch in die Anwendungstechnik der Haux-Druckkammer ging es nun hinein in die Druckkammer. Unsere ärztliche Tauchtauglichkeit war hierfür Vorrausetzung.
Die Druckkammer verfügt über einen Vorraum bzw. eine Schleuse, in der bei Notfällen eine kurzfristige Druckanpassung zum Ein- oder Ausschleusen durchgeführt werden kann. Der eigentliche Kammerraum hat zwei Sitzreihen mit jeweils sechs bequemen Recaro-Sitzen. An jedem Sitzplatz sind Sauerstoffmasken für den Bedarfsfall vorhanden. Die schweren Türen wurden verschlossen und die Tauchsimulation konnte beginnen. Heike F., Tauchlehrerin TL**, hatte vom Wartungsstand des Tauchsimulators aus per Überwachungskamera ein waches Auge auf uns „Trockentaucher“ während des gesamten Tauchganges geworfen. Über Lautsprecher erhielten wir Verhaltensanweisungen, Tiefenangaben, Dekostopps, Tauchzeit etc. mitgeteilt. Die Stimmung wurde zunehmend heiter. Auf der Tauchtiefe 50 m hatten wir die bekannten Mickey-Maus-Stimmen. Die Innentemperaturen stiegen zunehmend an. Oberbekleidung wurde bei Bedarf abgelegt. Der Tauchabstieg war mit einem lauten Zischen verbunden. Der Druck auf das Trommelfell wird im trockenen Zustand weitaus eher und schneller wahrgenommen als im Wasser. So war der erste Druckausgleich schon bei einer geringen Wassertiefe von einem Meter fortlaufend erforderlich (Valsalva-Methode, d.h. Nase zu halten und pressen). Ferner wurde eifrig Kaugummi gekaut um den Druckausgleich herbeizuführen. Beim Nasstauchgang im Medium Wasser kann jeder die Abtauchgeschwindigkeit individuell beeinflussen, hier ging der Abtauchprozess stetig voran. Auf der Tauchtiefe von 50 m durften wir einige vermeintlich simple (Rechen-) Aufgaben lösen. Bei einer Wassertiefe von 50 m hingegen wurde es mit der Konzentrationsfähigkeit zunehmend schwierig. Die ersten Symptome des Tiefenrausches machten sich beim Lösungsweg der Aufgaben bemerkbar. Zwischenzeitlich knallte zu unserer Belustigung einer unserer mitgebrachten Tischtennisbälle und konnte dem Druck von 6 bar keinen Widerstand mehr bieten. Nach Beendigung der vereinbarten Grundzeit begann die Aufstiegsphase, erneut mit lautem Zischen und Rauschen. Durch die zunehmende Druckentlastung während des Tauchaufstieges kühlte sich die Luft sehr schnell in der Druckkammer ab. Die vorhandene Feuchtigkeit kondensierte und es bildete sich Nebel. Jetzt mussten wir uns wieder im Zwiebelsystem sukzessive wärmer anziehen. Während der gesamten Tauchphase haben wir die in einem Wassereimer mitgebrachten Tauchcomputer mit den offiziellen Angaben der geeichten Tauchtiefenmessuhr der Anlage verglichen. Einzelne Tauchcomputer zeigten, je nachdem auf welchem Rechenmodell ein Computer basiert, unterschiedliche Tauchtiefen und Dekozeiten an. Ein Tauchcomputer ist und kann sehr hilfreich sei. Die Differenzen belegen, dass aber eine restriktives, vorsichtiges Tauchprofil letztlich der Taucher selbst bestimmen und beherrschen muss. Nach unserem letzten Dekostopp bei drei Meter Tiefe und fünfzehn Minuten Wartezeit öffnete Heike die Tür zur Außenwelt. Ein erlebnisreicher Tauchgang von 69 Minuten war zu Ende. Die Zeit war inzwischen fortgeschritten. In den Logbüchern wurde ein einmaliges empfehlenswertes Taucherlebnis der besonderen Art dokumentiert. Nach einer Stunde Fahrzeit, zurückfliegen nach Speyer war uns nicht erlaubt, sind wir weit nach Mitternacht in Rheinhausen angekommen.
Die Teilnehmer danken Ralf S. und Heike F. vom DCS1 ganz herzlich.
agm